Nach mehrwöchigen Kursturbulenzen der Wirecard-Aktie scheint der Abstieg an der Börse ein vorläufiges Ende zu finden. Denn nun mischt die Bundesfinanzaufsicht BaFin sich ein und verbietet neue Spekulationen auf fallende Wirecard-Kurse, also Netto-Leerverkaufspositionen.

Klage gegen Wirecard

Am Anfang steht die Berichterstattung der Financial Times. Diese legte offen, dass angeblich Vorwürfe gegen Kontomanipulation von Wirecard und Dokumentenfälschungen gegen einen Wirecard-Mitarbeiter aus Singapur im Raum stünden. Daraufhin brach der Aktienkurs des FinTechs ein. Cash.Online zufolge schlossen sich bereits letzte Woche diverse Sammelkläger zusammen, die mutmaßliche Verstöße gegen das Wertpapiergesetz vermuteten. Die Behörden in Singapur untersuchten den Fall und die Staatsanwalt München leitete ein Ermittlungsverfahren ein.

Finanzieller Vorteil?

Nun jedoch der Plot Twist: Die Staatsanwaltschaft München nahm einen Journalisten der Financial Times (FT) ins Visier. Wie die Zeit berichtet, hatte sich ein Leerverkäufer gemeldet und Angaben darüber gemacht, dass er im Voraus von der FT über die erscheinenden Artikel informiert worden war. Weil die Berichterstattung sich tatsächlich auf den Aktienkurs von Wirecard auswirkten, erhielt der Short Seller angeblich einen Vorteil – was wiederum auch von der Seite des Journalisten einen Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz bedeuten würde.

Die BaFin macht dicht

Aufgrund der Turbulenzen und der für ein DAX-Unternehmen unüblich hohen Volatilität der Wirecard-Aktie griff die Bundesfinanzaufsicht BaFin ein. Sie verbot den Kauf neuer Short-Positionen oder die Aufstockung bereits vorhandener Netto-Leerverkaufspositionen von Wirecard-Aktien. Und zwar bis zum 18. April. Auf diese Weise will sie verhindern, dass deutsche Anleger ihr Vertrauen in den Markt verlieren. Zudem ist der Bundesfinanzaufsicht dem Investment zufolge aufgefallen, dass die negative Presse gegen Wirecard zeitlich mit einem verstärkten Aufkommen von Shorts zusammenfällt. Die BaFin fürchtete eine Ausweitung der Unsicherheit auf andere Aktien und Märkte.

Börsenkurse

Dem Focus zufolge prüft die BaFin nun, ob es sich um gezielte Manipulation handelt. An der Börse jedoch atmet die Wirecard-Aktie fürs Erste auf: Sie kletterte am Montag um mehr als 15 Prozent und steht auch am Dienstagvormittag noch mit einem Plus von 7,65 Prozent bei 123,80 Euro.

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